Die Windows 10 Datenschutz-Katastrophe

Windows 10 steht seit wenigen Tagen zum Download bereit. Und als Softwarehersteller gehört es dazu, die eigene Software auch auf dem neuesten Schlitten aus dem Hause Microsoft zu testen. Doch was es dann zu sehen gab, war schwer zu glauben. Denn Windows 10 scheint sich entgegen der aktuellen Datenschutz-Diskussionen als Datenkrake einzunisten.

Dieser Artikel war nicht geplant, denn es ging zunächst nur um einen Test. Die Installation verlief ähnlich wie bei Windows 7 und 8. Doch die Einstellungen zu Beginn des Systemstarts bekamen eine besondere Aufmerksamkeit. Man vertraut nicht selten den Softwareherstellern bei den “Standardeinstellungen” innerhalb von Installationen und klickt schnell auf weiter. Doch hier muss man genauer hinsehen.

Lauschangriff, Beschattung und Verhör

Stellen Sie sich vor, Sie gehen in ein Kaufhaus und werden am Eingang verkabelt. Man möchte wissen was Sie sagen, wohin Sie gehen, wohin Sie blicken und was Ihre Augen und Hände machen. Zudem verkabelt man Ihren Kopf, denn die Gehirnströme könnte auch einiges über Ihre Gedanken sagen. Alles in Ihrem Sinne: Denn dann können sich die Geschäfte ganz auf Ihre Wünsche einstellen. Klingt komisch?   Aber vielleicht gar nicht so weit weg?!

Wenn Sie Windows 10 installieren und nicht die Express Einstellungen anklicken (klingt verlockend, klingt wie eine “Fast Lane” am Flughafen), bekommen Sie die Einstellungen gleich zu Beginn der Einrichtung von Windows zu sehen. Das Ganze passiert in zwei Schritten. Hier der erste Schritt:

Windows 10 Einstellungen

Mal ernsthaft: Man möchte alle meine Kontakte und Kalenderdaten haben wie Whatsapp und Facebook, meine Bewegungen wie Kinect oder Wii erfassen, meine Stimme wie Amazon Echo? Dass Ihr meine Position wissen wollt, daran haben wir uns im Zeitalter der Smartphones schon gewöhnt. Aber das?

Windows 10 Einstellungen

Doch es geht weiter: SmartScreen gab es ja schon, da hatte man schon immer ein flaues Gefühl, aber Google will ja auch so viel wissen, also ist das nur fair. Doch nun will Windows mir auch noch unsichere Verbindungen vorschlagen? Wäre es nicht besser, dass dem Nutzer zu überlassen, statt automatisch eine Verbindung herzustellen? Und natürlich wird diese Verbindung auch an Microsoft gesendet, damit man noch mehr über mich weiß.

Man staunt dann schon sehr, wenn Microsoft weiß, welche Netzwerke meine Kontakte nutzen! Woher weiß Microsoft das? Dies bedeutet, dass auch alle Netzwerkverbindungen an Microsoft gesendet werden, zumindest alle WLAN und mobilen Verbindungen.

Den letzten Punkt auf der Seite sieht man übrigens nur, wenn man nach unten scrollt! Da hat man einen ganzen Bildschirm für 5 einfache Fragen, und bekommt das nicht auf eine Seite? Oder möchte man da etwas verstecken? Es gibt bei Microsoft sicher einige Usability-Experten, aber das ist nun wirklich zuviel.

Zu beachten ist, dass alle Option in den Express-Einstellungen aktiviert sind.

MicroNSA

Die Einstellungen entsprechen übrigens den Einstellungen der amerikanischen Version. Die Hoffnung, der deutsche oder europäische Datenschutz würde hier seine Wirkung zeigen, stirbt einen schnellen Tod. Viele einfache Nutzer werden sicherlich diese Einstellungen übernehmen, ohne zu wissen, was es genau bedeutet.

Natürlich ist Windows 10 auch eine Software für Tablets und Smartphones. Und bei Android dürfte man auch viel von sich preisgeben. All das passiert nun auch auf dem Desktop. Hier muss man die Frage stellen, wozu das bei einem Desktop-Computer notwendig ist. Zumindest einige der Einstellungen sind sehr sensibel.

Der persönliche Assistent Cortana auf Windows 10 benötigt Informationen, sowohl Sprache als auch Text. Doch dies würde auch ohne Übertragung der Daten an Microsoft gehen. Deaktiviert man alle Optionen, wird man später gefragt, ob man bestimmte einzelne Optionen aktivieren möchte. Auch hier sind die Angaben nicht immer präzise, man weiß nicht genau, was Microsoft mit den Daten möchte. Doch in diesem Fall stimmt man aktiv diesen Einstellungen zu. Das ist das mindeste, was man sich aus Sicht des Datenschutzes wünscht.

Fazit

Es ist schon erstaunlich, wie zerrissen derzeit die Welt der Software und des Internets aus Sicht des Datenschutzes sind. Während Edward Snowden empfiehlt, möglichst alles zu löschen und keine Dienste wie Dropbox und Facebook zu nutzen, scheinen viele Nutzer das Ganze wie gelähmt hinzunehmen.

Allen Windows 10 Nutzern kann man nur empfehlen, alle Optionen in den Einstellungen bei der Einrichtung zu deaktivieren, man kann sicher sein, dass Windows immer wieder nachfragt,ob man einzelne Einstellungen nicht doch aktivieren möchte. Hier hat man die Freiheit und man hätte sich sicherlich ein deutlich sensibleres Vorgehen seitens Microsoft gewünscht.

Man darf gespannt sein, wann die Datenschützer dagegen vorgehen. Aber dieses Vorgehen dürfte schon bald die Behörden aufwecken. Wenn nicht, muss man umso mehr erstaunt sein. Schließlich ist selbst bei aktivier Zustimmung unklar, was Microsoft an Daten sammelt und wie diese verarbeitet und aggregiert werden. Eine Verknüpfung vieler Daten könnte die Datenqualität von Facebook übertreffen. Aus Sicht von Microsoft sicherlich wünschenswert, die Werbebranche wird sich freuen, aber wo das Ende der Bespitzelung ist, scheint immer mehr unklar zu sein.

Über Thomas Kaiser

Thomas Kaiser, founder and CEO of Forecheck LLC and cyberpromote GmbH, launched his first company at 23. He developed the first MPEG-2 video coder for Windows at the Technical University of Munich. In 1997 he invented “RankIt!!”, the first SEO software program in Germany. He has also written several books and is a sought-after speaker at SEO conferences and events. He loves playing guitar, enjoys his 5 kids and has drunk SEO milk since birth. You can write him at thomas /at/ forecheck.com.
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